Der Himmel ist hellgrau, das Wasser der Ostsee schwappt dunkelgrau ans Ufer. Graue Steine am Strand. Man könnte meinen, der Erdkugel wäre die Farbe entzogen worden und die Welt
sei nun schwarz-weiß. Doch viele kleine knallrote Farbtupfer beweisen das Gegenteil. Die Weihnachtsmänner sind unterwegs – und zwar gleich in riesengroßer Zahl. Und das nicht nur
an Land, sondern auch im Wasser. Wer nicht weiß, um was für ein Event es sich handelt, reibt sich verwundert die Augen. Die Anderen wissen: Es ist wieder Weihnachtstauchen.
Die Flossen angezogen, die Maske aufgesetzt, der Mantel zugeknöpft und noch mal die rote Mütze mit der weißen Bommel zurechtgerückt, bevor es in die Tiefe der sechs
Grad kalten Ostsee geht. Beim Weihnachtstauchen ist eben alles anders. Da gehört zur Grundausstattung eines ordentlichen Tauchers eben die rote Mütze dazu.
Es ist der Morgen des 5. Dezembers 2009, und an der Ostseebasis Rerik ist das mittlerweile 12. Weihnachtstauchen in vollem Gange. „Es sind bereits 134 Taucher im Wasser, und da
kommen noch mehr“, sagt Micha von der Tauchschule Atlantis, der sich am Strand gemeinsam mit Sibylle um das Organisatorische kümmert. Schließlich werden alle Taucher beim
Hineingehen ins und Herauskommen aus dem Wasser ins große Buch notiert. Mit tropfenden Mützen und kleinen Schnapsfläschchen kommen Danny Mai aus Hamburg und Sebastian Kraft aus
Berlin aus dem sechs Grad kalten Wasser.Hinter ihnen steht schon Taucherin Ute Bahrenberg – auch ein Fläschchen in der Hand: „Das Fläschchen habe ich am Tannenbaum abgeschnitten,
der auf etwa drei bis vier Meter Tiefe steht und mit diesen kleinen Fläschchen voll behängt ist“, erklärt die Taucherin aus Monheim am Rhein und fügt hinzu: „Auf jedem Fläschchen
steht eine Losnummer, und die ist später für die Tombola wichtig.“ Micha notiert die Nummer im Buch – und Ute könnte nun am Ende des Tages die stolze Gewinnerin der Maledivenreise
oder der Ägyptenreise sein, die später noch verlost wird.
Insgesamt 164 Taucher gehen an diesem Tag in die Ostsee
tauchen, anschließend gibt es dann erst einmal einen heißen Glühwein direkt am Strand.
Doch wer denkt, dass das an Aktionen alles war, der irrt. Veranstalter und Basisinhaber Christian Wendt hat auch in diesem Jahr weitere Highlights auf Lager.
Da ist zum einen die Spaßstaffel, die kurz nach 15 Uhr startet und an der insgesamt vier Teams gegeneinander antreten. Beim Schubkarren-Wettrennen oder besser -Wettschieben ist
Schnelligkeit gefragt, beim Kartoffelschälen unter erschwerten Bedingungen – mit
Eishockeyhandschuh – und beim Entenangeln geht es um Geschicklichkeit. Auch das Sackhüpfen ist nichts für schwache Nerven oder „Heulsusen“ die bei einer Schürfwunde oder blauen
Flecken schon Panik kriegen. Denn gleich zwei Mann müssen in einen Sack – und dann heißt es „Synchronhüpfen“.
Wer sich über die Neuheiten im Tauchsektor informieren will, ist unterdessen im Zelt genau richtig: Frank Pohl von der Firma AquaLung präsentiert das wohl leichteste Equipment der
Welt: Die Komplettreiseausrüstung wiegt nur gerade mal 8,4 Kilogramm. Die Zeiten des Tauch-Übergepcäck gehören somit wohl bald der Vergangenheit an. Mit dabei: Das
Zuma-Reisejacket um die zwei Kilo und der Travelling Flight-Automat samt Oktopus – der Automat mit einem Fliegengewicht von nur 852 Gramm.
Nebenan begeistert Wolfgang Rosching von Poseidon mit dem neuen Kreislaufgerät Mk VI Discovery, und Patrick Buck von Scubapro präsentiert den neuen Fusion-Trocki, den
dazugehörigen zweiteiligen Unterzieher und die neuen Flossen Sea Wing nova in weiß.Wer etwas über Tauchlampen wissen möchte, ist bei Matthias Koch von Green Force gut
aufgehoben. Und Jörg Dupke vom ZeemanDive Center informiert über neue Computer, Lungenautomaten, Jackets und den neuen Tauchanzug Daemon für Damen mit passender Maske und
Handschuhen.
Für Mares ist in diesem Jahr erstmals Karsten Möhrer dabei. Er hat den neuen Voll-Farbdisplay-Computer Icon HD dabei. Und zwar nicht nur zum anschauen, sondern auch zum testen.
Direkt beim Einstieg können sich die Taucher mit dem Icon HD zum Weihnachtsbaum aufmachen. Auch die neueste Entwicklung im Bereich Mares-Flossen namens "X Stream" ist am
Stand zu bewundern. So mancher Taucher würde gern mit der in passendem Rot gehaltenen Flosse abtauchen.
Um 17 Uhr lässt es Veranstalter
Christian Wendt richtig krachen – mit einem Feuerwerk geht das Weihnachtstauchen quasi in die nächste Runde des abwechslungsreichen Programms.
Dann stärken sich die vielen hundert Gäste im Festzelt
bei Krustenbraten und sammeln Kraft für die Party am Abend. Sie startet um 20 Uhr, und es hält schon beim ersten Lied keinen mehr sitzend auf den Bänken.
Fazit: Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Doch kein Grund zum Trübsalblasen: Im nächsten Jahr besteht Anfang Dezember wieder die Möglichkeit, am Weihnachtstauchen in Rerik
dabei zu sein – zum 13. Weihnachtstauchen an der Ostsee.
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